5 Tools für partizipative Geschäftsmodellentwicklung
Kurzbeschreibung
Diese Methodenübersicht bündelt fünf praxistaugliche Selbstarbeits-Tools für gemeinwohlorientierte Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell gemeinsam, systematisch und wirkungsorientiert weiterentwickeln möchten. Die Tools helfen dabei, Bedürfnisse sichtbar zu machen, Nutzenversprechen zu schärfen, Einnahmequellen zu prüfen, Beteiligte einzubeziehen und soziale sowie ökologische Wirkung im Geschäftsmodell zu verankern.
Die Methoden können einzeln eingesetzt oder als aufeinander aufbauender Entwicklungsprozess genutzt werden.

Nutzenversprechen
Die fünf Tools unterstützen Organisationen dabei,
- Geschäftsmodelle nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gemeinwohlorientiert weiterzuentwickeln,
- interne Perspektiven strukturiert einzubeziehen,
- blinde Flecken früh zu erkennen,
- neue Angebote und Einnahmequellen zu entwickeln,
- Wirkung, Zielgruppen und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden,
- aus Ideen konkrete nächste Schritte abzuleiten.
Zielgruppe
Die Methodenübersicht eignet sich für:
- gemeinwohlorientierte Unternehmen
- Sozialunternehmen
- nachhaltige Start-ups
- Purpose-Unternehmen
- Genossenschaften
- Vereine mit wirtschaftlichen Angeboten
- kleine und mittlere Unternehmen mit Transformations- oder Nachhaltigkeitsanspruch
- Teams aus Geschäftsführung, Strategie, Innovation, Vertrieb, Nachhaltigkeit und Produktentwicklung
Anwendungsfälle
- Bestehendes Geschäftsmodell überprüfen und weiterentwickeln.
- Neue Dienstleistungen oder Angebote entwickeln.
- Zielgruppen und deren tatsächliche Bedürfnisse besser verstehen.
- Einnahmequellen diversifizieren.
- Gemeinwohlwirkung stärker im Geschäftsmodell verankern.
- Teamwissen für strategische Entscheidungen nutzbar machen.
- Geschäftsmodell für Förderanträge, Investoren oder Partner schärfen.
- Neue Kooperationen und Leistungsangebote vorbereiten.
- Risiken und Abhängigkeiten im aktuellen Modell sichtbar machen.
- Eine strategische Jahresplanung vorbereiten.
Die 5 Tools im Überblick
| Tool | Hauptziel | Geeignet für | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 1. Wirkungsmodell-Check | Wirkung und Geschäftsmodell verbinden | Strategie, Positionierung | Klare Wirkungslogik |
| 2. Zielgruppen-Perspektivkarte | Bedürfnisse und Barrieren verstehen | Angebote, Kommunikation | Zielgruppenprofil |
| 3. Nutzenversprechen-Matrix | Angebot schärfen | Produktentwicklung, Vertrieb | Präzises Nutzenversprechen |
| 4. Einnahmequellen-Kompass | Tragfähigkeit verbessern | Finanzierung, Geschäftsmodell | Einnahmenportfolio |
| 5. Beteiligungs-Radar | Beteiligung strukturieren | Team- und Stakeholder-Einbindung | Beteiligungsplan |
Anwendung als Selbstarbeitsprozess
| Phase | Tool | Ziel |
| 1 | Wirkungsmodell-Check | Gemeinsame Wirkung und Richtung klären |
| 2 | Zielgruppen-Perspektivkarte | Bedarf und Problemverständnis schärfen |
| 3 | Nutzenversprechen-Matrix | Angebot konkretisieren |
| 4 | Einnahmequellen-Kompass | Wirtschaftliche Tragfähigkeit prüfen |
| 5 | Beteiligungs-Radar | Beteiligung und Umsetzung absichern |
Tool 1: Wirkungsmodell-Check
Ziel
Der Wirkungsmodell-Check hilft dabei, die Verbindung zwischen Angebot, Zielgruppen, Wirkung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit sichtbar zu machen.
Anleitung
- Beschreiben Sie Ihr aktuelles Angebot.
- Definieren Sie die wichtigsten Zielgruppen.
- Benennen Sie die gewünschte Wirkung.
- Prüfen Sie, welche Leistungen diese Wirkung ermöglichen.
- Überprüfen Sie, ob die wirtschaftliche Logik dazu passt.
- Identifizieren Sie Lücken und Entwicklungsfelder.
Arbeitsblatt
| Feld | Leitfragen | Antwort |
| Ausgangsproblem | Welches Problem möchten wir lösen? | |
| Zielgruppe | Für wen ist dieses Problem relevant? | |
| Angebot | Was bieten wir konkret an? | |
| Direkter Nutzen | Was verbessert sich für die Zielgruppe? | |
| Gemeinwohlwirkung | Welche soziale, ökologische oder regionale Wirkung entsteht? | |
| Einnahmequelle | Wer bezahlt wofür? | |
| Ressourcen | Was benötigen wir für die Umsetzung? | |
| Risiken | Was gefährdet die Wirkung oder Tragfähigkeit? | |
| Erfolgsindikatoren | Woran erkennen wir, dass das Modell funktioniert? |
Auswertung
Ein tragfähiges Wirkungsmodell liegt vor, wenn:
- das Problem klar beschrieben ist,
- die Zielgruppe konkret benannt ist,
- der Nutzen nachvollziehbar ist,
- Wirkung messbar oder plausibel belegbar ist,
- Einnahmequellen zum Angebot passen,
- Ressourcen und Risiken berücksichtigt sind.
Praxistipp
Formulieren Sie Wirkung nicht zu allgemein. Statt „Wir stärken Nachhaltigkeit“ besser: „Wir reduzieren den Energieverbrauch kleiner Betriebe durch verständliche Beratungsangebote und umsetzbare Maßnahmenpakete.“
Tool 2: Zielgruppen-Perspektivkarte
Ziel
Die Zielgruppen-Perspektivkarte hilft dabei, Angebote aus Sicht der Menschen oder Organisationen zu entwickeln, die sie tatsächlich nutzen sollen.
Anleitung
- Wählen Sie eine konkrete Zielgruppe.
- Beschreiben Sie deren Ausgangssituation.
- Erfassen Sie Probleme, Wünsche und Hürden.
- Prüfen Sie, welche bestehenden Alternativen genutzt werden.
- Leiten Sie daraus Anforderungen an Ihr Angebot ab.
Arbeitsblatt
| Perspektivfeld | Leitfragen | Antwort |
| Zielgruppe | Wen betrachten wir konkret? | |
| Ausgangssituation | Wie sieht der Alltag oder Arbeitskontext aus? | |
| Herausforderungen | Welche Probleme bestehen? | |
| Wünsche | Was soll sich verbessern? | |
| Barrieren | Was verhindert eine Lösung? | |
| Bisherige Lösungen | Was wird aktuell genutzt? | |
| Entscheidungsfaktoren | Was ist besonders wichtig: Preis, Vertrauen, Zeit, Qualität, Wirkung? | |
| Erwarteter Nutzen | Welchen konkreten Mehrwert sucht die Zielgruppe? | |
| Hinweise für unser Angebot | Was müssen wir verändern oder ergänzen? |
Auswertung
Achten Sie besonders auf wiederkehrende Muster:
- Welche Probleme treten häufig auf?
- Welche Hürden verhindern Nutzung oder Kauf?
- Welche Begriffe verwendet die Zielgruppe selbst?
- Welche Faktoren erhöhen Vertrauen?
- Welche Bedürfnisse werden bisher nicht ausreichend erfüllt?
Praxistipp
Bearbeiten Sie das Tool getrennt für unterschiedliche Zielgruppen. Kund, Partner, Förderer und Nutzende haben oft unterschiedliche Erwartungen.
Tool 3: Nutzenversprechen-Matrix
Ziel
Die Nutzenversprechen-Matrix hilft dabei, den konkreten Mehrwert eines Angebots klar, verständlich und differenzierend zu formulieren.
Anleitung
- Beschreiben Sie Ihr Angebot in einem Satz.
- Erfassen Sie die wichtigsten Probleme der Zielgruppe.
- Ordnen Sie jeder Herausforderung einen konkreten Nutzen zu.
- Prüfen Sie, wodurch Ihr Angebot glaubwürdig und unterscheidbar wird.
- Formulieren Sie daraus ein klares Nutzenversprechen.
Arbeitsblatt
| Zielgruppenproblem | Unser Angebot | Konkreter Nutzen | Beleg oder Glaubwürdigkeitsfaktor | Unterschied zu Alternativen |
Formel für das Nutzenversprechen
Wir unterstützen [Zielgruppe] dabei, [konkretes Problem] zu lösen, indem wir [Leistung] anbieten. Dadurch entsteht [konkreter Nutzen] – mit zusätzlicher [sozialer / ökologischer / regionaler Wirkung].
Beispiel
„Wir unterstützen kleine Kommunen dabei, ihre Energieverbräuche systematisch zu senken, indem wir verständliche Energieanalysen und umsetzungsorientierte Maßnahmenpläne anbieten. Dadurch reduzieren sie Kosten und Emissionen und stärken zugleich ihre regionale Klimaschutzwirkung.“
Auswertung
Ein gutes Nutzenversprechen ist:
- verständlich,
- konkret,
- zielgruppenspezifisch,
- glaubwürdig,
- unterscheidbar,
- mit Wirkung verbunden.
Tool 4: Einnahmequellen-Kompass
Ziel
Der Einnahmequellen-Kompass unterstützt dabei, bestehende und neue Einnahmequellen zu prüfen, Abhängigkeiten zu erkennen und wirtschaftliche Stabilität zu verbessern.
Anleitung
- Listen Sie alle aktuellen Einnahmequellen auf.
- Bewerten Sie deren Stabilität, Wirkung und Wachstumspotenzial.
- Identifizieren Sie Abhängigkeiten.
- Entwickeln Sie ergänzende Einnahmeoptionen.
- Priorisieren Sie die attraktivsten Ansätze.
Arbeitsblatt
| Einnahmequelle | Aktueller Anteil | Stabilität | Wachstumspotenzial | Gemeinwohlbezug | Aufwand | Priorität |
| Produktverkauf | ||||||
| Dienstleistungen | ||||||
| Mitgliedsbeiträge | ||||||
| Fördermittel | ||||||
| Spenden | ||||||
| Lizenzen | ||||||
| Kooperationserlöse | ||||||
| Schulungen / Workshops |
Bewertungsskala
| Wert | Bedeutung |
| 1 | sehr gering |
| 2 | gering |
| 3 | mittel |
| 4 | hoch |
| 5 | sehr hoch |
Priorisierungsformel
Priorität = Stabilität + Wachstumspotenzial + Gemeinwohlbezug – Aufwand
Auswertung
- Hohe Priorität: testen oder ausbauen.
- Mittlere Priorität: wirtschaftlich prüfen und klein pilotieren.
- Niedrige Priorität: beobachten oder nur ergänzend nutzen.
Praxistipp
Eine Einnahmequelle ist nicht automatisch sinnvoll, nur weil sie Umsatz verspricht. Prüfen Sie immer, ob sie mit Mission, Zielgruppen und Wirkungsanspruch vereinbar bleibt.
Tool 5: Beteiligungs-Radar
Ziel
Das Beteiligungs-Radar zeigt, welche Personen und Gruppen in die Geschäftsmodellentwicklung einbezogen werden sollten und in welcher Form.
Anleitung
- Identifizieren Sie alle relevanten Beteiligten.
- Bewerten Sie deren Einfluss, Wissen und Betroffenheit.
- Entscheiden Sie, ob sie informiert, konsultiert, beteiligt oder mitentscheidend eingebunden werden sollen.
- Planen Sie passende Beteiligungsformate.
- Dokumentieren Sie Rückmeldungen und nächste Schritte.
Arbeitsblatt
| Beteiligte Gruppe | Einfluss | Betroffenheit | Wissen / Erfahrung | Beteiligungsform | Konkretes Format |
| Mitarbeitende | Mitgestalten | Workshop | |||
| Kund | Konsultieren | Interview | |||
| Partnerorganisationen | Mitentscheiden | Strategierunde | |||
| Kommune | Einbinden | Abstimmungsgespräch | |||
| Förderer | Informieren | Wirkungsbericht | |||
| Zielgruppenvertretung | Mitgestalten | Fokusgruppe |
Beteiligungsstufen
| Stufe | Bedeutung |
| Informieren | Informationen transparent bereitstellen |
| Konsultieren | Meinungen und Feedback einholen |
| Mitgestalten | Lösungen gemeinsam entwickeln |
| Mitentscheiden | Entscheidungen gemeinsam treffen |
| Selbstorganisieren | Verantwortung weitgehend übertragen |
Auswertung
Eine gute Beteiligungsstrategie berücksichtigt:
- Wer ist von Veränderungen betroffen?
- Wer bringt entscheidendes Wissen mit?
- Wer kann Umsetzung beschleunigen oder blockieren?
- Wer sollte frühzeitig eingebunden werden?
- Welche Beteiligung ist realistisch und sinnvoll?
Gesamt-Auswertung: Geschäftsmodell-Reifegrad
| Reifegrad | Beschreibung |
| 1. Unklar | Zielgruppen, Nutzen und Einnahmen sind nur grob beschrieben |
| 2. Strukturiert | Wichtige Bausteine sind dokumentiert |
| 3. Beteiligungsorientiert | Team und relevante Gruppen sind einbezogen |
| 4. Wirkungsorientiert | Wirkung, Wirtschaftlichkeit und Nutzen greifen zusammen |
| 5. Adaptiv | Das Geschäftsmodell wird regelmäßig geprüft und weiterentwickelt |
Praxistipps
- Bearbeiten Sie die Tools nicht isoliert, sondern in einer festen Reihenfolge.
- Starten Sie mit einem konkreten Geschäftsmodellbereich, nicht mit der gesamten Organisation.
- Arbeiten Sie mit echten Beispielen und bestehenden Kundenerfahrungen.
- Trennen Sie Annahmen klar von belegten Erkenntnissen.
- Halten Sie Ergebnisse schriftlich fest und aktualisieren Sie sie regelmäßig.
- Nutzen Sie das Teamwissen, aber vermeiden Sie endlose Abstimmungsrunden.
- Priorisieren Sie nur wenige Entwicklungsfelder gleichzeitig.
- Testen Sie neue Ideen zunächst als Pilot.
- Prüfen Sie Wirtschaftlichkeit und Wirkung immer gemeinsam.
- Formulieren Sie Zielgruppenprobleme konkret und beobachtbar.
- Definieren Sie für jede Methode einen klaren nächsten Schritt.
- Überprüfen Sie, ob neue Einnahmequellen Ihre Mission stärken oder verwässern.
Typische Fehler
Das Geschäftsmodell wird einmalig bearbeitet und danach nicht weiterentwickelt.
Es wird zu abstrakt gearbeitet, ohne konkrete Zielgruppen oder Angebote zu benennen.
Wirkung wird als Kommunikationsthema behandelt statt als Teil des Geschäftsmodells.
Einnahmequellen werden entwickelt, ohne Aufwand und Umsetzbarkeit zu prüfen.
Beteiligung wird angekündigt, aber Rückmeldungen haben keinen Einfluss auf Entscheidungen.
Es werden zu viele Ideen gesammelt, aber keine Prioritäten gesetzt.
Der Nutzen für Zielgruppen wird mit internen Zielen verwechselt.